Montag, 17.12.2018 12:09 Uhr

Wartungsbetrieb für Flugmotoren

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt Baierbrunn-München (D), 04.12.2017, 00:04 Uhr
Presse-Ressort von: Andi Schmidt Bericht 7826x gelesen
Fa.Heinz Dachsel GmbH Flugmotoren-Reparatur
Fa.Heinz Dachsel GmbH Flugmotoren-Reparatur  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

Baierbrunn-München (D) [ENA] Sie sind das Kernstück eines jeden Flugzeuges: Flugmotoren. Ihre störungsfreie und zuverlässige Funktionsweise sind der Garant für hohe Sicherheit im Luftverkehr. Dies gilt speziell auch für Oldtimer-Flugzeuge. Zertifizierte Wartungsbetriebe halten die Motoren fit.

Im deutschsprachigen Raum gibt es eine Handvoll erstklassiger Wartungsbetriebe für Kolbenflugmotoren und mit einem besonders guten Image bezüglich der Arbeitsqualität steht die Fa. Dachsel im Wettbewerb. Zirka 15 Kilometer südlich von München findet man die Fa. Dachsel im Industriegebiet von Baierbrunn. Dieser Standort hat eine sehr lange Tradition bezüglich Flugmotoren. Als Firma *Hanns Häusler Flugmotoren-Reparaturwerk* wurden bereits seit 1926 dort Flugmotoren grundüberholt. Speziell in den Jahren 1936 bis 1946 wurden hier über 40.000 Kolbenmotoren der Hersteller BMW, Daimler Benz, Argus und Siemens gewartet und instandgesetzt.

Arbeitsplätze der Mechaniker
Dieser Motor ist wieder komplett zusammengefügt
Bereit für den nächsten Arbeitsschritt

25 Jahre in Baierbrunn: Heinz Dachsel Flugmotoren-Reparatur

Seit 1958 war das Werk erneut mit der Grundüberholung von Kolbentriebwerken befasst. Nun waren es Motoren aus dem Export wie zum Beispiel *Hercules* und *Curtiss-Wright*. 1963 kam die Neufertigung von *Sendling-Diesel-Motoren*, einer Motorenserie kleiner Bauart dazu. Im Dezember 1969 betrug die Belegschaftsstärke der Fa. Hanns Häusler 170 Mann. Produziert wurde in den Montagehallen Nord und Süd. Drei Motorenprüfstände und ein riesiges Ersatzteillager standen zur Verfügung. Gasturbinen-Aggregate vervollständigten die Angebotspallette neben den Kolbenmotoren für die Fliegerei.

1992 übernahm Heinz Dachsel den durch den Wandel der Zeit mittlerweile stark reduzierten und verkleinerten Standort der Flugmotoren. Und schaffte mit viel Fleiß und Ehrgeiz im Rückhalt einer erstklassigen Mannschaft an Technikern und Mechanikern seiner damals jungen Firma den Sprung zum Spezialbetrieb für Oldtimer-Flugmotoren. Während sein Sohn Holger, ebenfalls eingetragener Geschäftsführer der Firma, den Part als *Juniorchef* sein Hauptaugenmerk den aktuellen Flugmotoren wie zum Beispiel *Continental* und *Lycoming* widmet.

24 Stunden - Reinigung im warmen Wasser-/Ölbad
Bearbeitung von Kurbelwellen
Senior-Chef Heinz Dachsel

Vater und Sohn sind die Geschäftsführer

Holger Dachsel erreicht durch Schulungen und Qualifizierungen laufend neue Zertifizierungsberechtigungen an derzeitig aktuellen Flugmotoren. Gepaart durch den Wissensstand seines Vaters und einiger älterer Mechaniker ist dies eine ideale Kombination im Fortbestand der Firma. Wahrlich unersetzbar ist jedoch das Wissen und die Qualifikation des *Senior-Chefs* Heinz Dachsel. Eigentlich selbst schon im Rentenalter ist die Firma sein *Ein und Alles*, sein Lebenswerk. Von Montag bis Freitag, teilweise auch Samstag ist er vor Ort, oftmals als Erster in der Früh betritt er die Werkshalle.

Heinz Dachsel wird oft als *Motoren-Papst* bezeichnet, und dies bestimmt nicht zu unrecht. Als Person kennt ihn nahezu jeder auf den Flugplätzen oder auch bei Ausstellungen an Messetagen wie der *AERO* in Friedrichshafen. Für sein Wissen an den Flugmotoren wurde ihm in 2017 der *Ehren-Award* des *Fliegermagazin* in der Sparte *Lebenswerk* verliehen. *Wir bringen wieder jeden Flugmotor zum Laufen – egal wie alt* ist sein Credo und nicht nur das Wort oder die Hülle eines Reklamespruchs. Die Kundschaft der *Fa. Heinz Dachsel Flugmotoren-Reparatur* wissen dies. Wenn andere Firmen an der Aufgabe verzweifeln, bringt die Kundschaft sogar aus England den Uralt-Motor per LKW-Hänger persönlich zur Instandhaltung vorbei.

Prüfstand 1
Motor im Hintergrund - Prüfstand 1
Prüfstand 2 für große Motoren

Hier zählt Handarbeit und Fingerspitzengefühl

Nach vier bis sechs Wochen läuft auch dieser Motor wieder wie am Tage seiner Produktion. Gründlich entschlackt und gereinigt liegen die Einzelteile zur weiteren Bearbeitung nun vor. Jedes einzelne Teil wird per Lupe mit Hilfe einer speziellen Lichtquelle begutachtet. Es wird gefräst, gebohrt und geschliffen. Neue Teile angefertigt. Nach dem Zusammenbau und der Lackierung wird der nun grundüberholte Motor der Bewährungsprobe auf dem Prüfstand ausgesetzt. Peinlichst genau und wiederholt prüft Heinz die Zuleitung der Motorschmierung.

*In dieser Phase der Prüfung muss die Motorschmierung hundert Prozentig stimmen* so die Ausführung von Heinz. *Die Arbeitsleistung von dutzenden Mannstunden wäre sonst innerhalb von Sekunden zerstört und der Schaden immens.* Etwa eine Stunde auf dem Prüfstand läuft jeder Motor bevor er an den Kunden wieder ausgehändigt wird. Während des Probelaufs werden Werte wie Öldruck im Zylinder, Temperatur, Drehzahl und Spritverbrauch ausgelesen und analysiert. Der Wert der geleisteten Arbeit wird nun sichtbar. Heinz Dachsel ist mit dem Ergebnis zufrieden, der Kunde in der weiteren Verwendung des Motors bestimmt auch.

Kleinerer Motor am Prüfstand 1
Aufhängevorrichtung für große Motoren am Prüfstand 2
Das Archivmaterial umfasst über 375 Motorentypen

Archiv umfangreicher als der eines Museums

Handbücher und Beschreibungen von über 375 bisher gebauten Kolbenflugmotoren liegen im Archiv vor. Originalhandbücher aus 1946 der Hersteller BMW und Siemens. So mancher Museumsdirektor hätte diese gerne in seinem Besitz. Heinz Dachsel kennt diese Bücher und Beschreibungen alle. Dies ist seine Welt. Und dies kann man auch immer hautnah während der Flugtage am Flugplatz Oberschleißheim erleben. Mehrmals im Jahr verweilt eine Junkers JU-52 der schweizerischen *JU-Air* mit Original-BMW-Flugmotoren für Rundflüge vor Ort. Jeder dieser Motoren war schon in seinen Händen. Herzlichen Dank an die Fa. Heinz Dachsel GmbH Flugmotoren-Reparatur, der Geschäftsleitung und deren Mitarbeiter für die Betriebsbesichtigung.

7-Zylinder-Sternmotor
Ausstellungsstücke im Empfangsbereich
Schulungsraum für Mitarbeiter und Kontrolleure des Luftfahrt Bundesamt-Süd
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