Freitag, 20.10.2017 14:18 Uhr

Penzing – Tag der Bundeswehr

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt Penzing-München (D), 01.07.2017, 00:14 Uhr
Presse-Ressort von: Andi Schmidt Bericht 5445x gelesen
C-160 Transall in Sonderbemalung - LTG 61 Penzing
C-160 Transall in Sonderbemalung - LTG 61 Penzing  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

Penzing-München (D) [ENA] An 16 Standorten in Deutschland wurde am 10. Juni 2017 der Tag der Bundeswehr abgehalten. Für das süddeutsche Penzing mit seinem LTG 61 wurden bis zu 40.000 Besucher erwartet. Aber es kamen wesentlich mehr. Dabei zeigten sich erhebliche Schwachstellen im Gesamtkonzept der Veranstaltung.

Die dritte Terminierung des Publikumstages mit Flugprogramm ging für 2017 an das süddeutsche Lufttransport-Geschwader (LTG) 61 und deren Staffel an Transall Flugzeugen. Oberst Daniel Draken, Kommodore des Geschwaders: „Der Tag der Bundeswehr hier bei uns war eine Entscheidung aller im Geschwader. Wir bedanken uns damit für die großartige Unterstützung und Zusammenarbeit mit den Kommunen und Menschen in der Region. Und immerhin gibt es gleich drei Gründe, um nach Penzing zu kommen: Den Tag der Bundeswehr, den 60. Geburtstag des Penzinger Gamsbock-Geschwaders und den Abschied des Geschwaders aus der Region.“

Eurofighter in Sonderbemalung *60 Jahre Bundeswehr*
Airbus Helicopter in militärischer Version
CH-53

Fliegerhorst Penzing in der Auflösungsphase

Am 28. September 2017 findet das sogenannte *Fly-out* statt und der älteste Einsatzverband der Luftwaffe schließt bis Jahresende für immer seine Pforten. Mit der geplanten Indienststellung des neuen Militärtransporters A400M war diese Entscheidung gefallen. Die Länge der Start/Landebahn ist für die gegenwärtigen Einsatzpläne der Transall absolut ausreichend, für den neuen Militärtransporter ist sie bei maximalen Abfluggewicht der Maschine deutlich zu kurz und insgesamt ist der Fliegerhorst räumlich nicht weiter für einen Ausbau geeignet. Ein Sterben auf Raten für den Standort, denn bereits im Januar hatte der letzte Hubschrauber vom Typ UH-1D das Gelände verlassen.

Somit wollte das LTG den Tag der Bundeswehr als letzten großen gemeinsamen Kraftakt stemmen. Und vor allem keine Wiederholung der Panne wie vor zehn Jahren zum 50igsten Jubiläum. Damals wurde wegen starker Regenfälle am Vorabend ein sicheres Abhalten der Geburtstagsfeier unmöglich. 20.000 Parkplätze auf Rasenflächen verwandelten sich innerhalb weniger Stunden in Morast und Schlamm und fielen somit ersatzlos weg. Kurzfristig wurde der Event zu einem Familientag erklärt und umbenannt, bereits angereiste Besucher konnten auf der Start/Landebahn parkieren. Flugvorführungen fanden an diesem Tage keine statt.

Noratlas
Dakota
Airbus A310 in militärischer Tanker-Version
Eurofighter
Tornado

Gedränge auf dem Fliegerhorst

Mit sechs asphaltierten Großparkplätzen in der näheren Umgebung und einer Flotte von 170 Bussen für den Shuttle-Service sollte es diesmal kein Problem sein, die anreisenden Besucher zum Veranstaltungsgelände zu bringen. So weit so gut. Als Problem zeigte sich aber der Zutritt auf das Gelände. Über zwei Eingangsbereiche, jeweils ein Bereich im Westen, einer im Osten des Fliegerhorstes sollten nun tausende Besucher den Einlass absolvieren. Der externe Sicherheitsdienst war dem Besucherandrang kaum gewachsen. Sichtkontrollen von Taschen und Rucksäcke im Eiltempo.

Der Veranstaltungsbereich füllte sich in kurzer Zeit an Massen von Besuchern. Die 40.000er Marke bereits mittags klar durchbrochen. Warteschlangen von über 100 Metern an den wenigen Verpflegungsständen. Wartezeiten von über einer Stunde für ein Essen oder Getränk. Anzahl an Toiletten mangelhaft. Schattenplätze nicht vorhanden. Erst als die Sanitätsstationen von einer starken Zunahme von Besuchern mit Kreislaufproblemen und Hitzegeschädigten berichteten, reagierte die Organisationsleitung. Eiligst wurden Fruchtsaftgetränke und Wasserflaschen kurzfristig herangeschafft und durch die Soldaten kostenlos an die Besucher verteilt.

Mangelhaftes Gesamtkonzept

Im Nachgang der Veranstaltung wurde das Problem an den Versorgungsständen mit der Vergabe der Aufgabe an externe Anbieter deklariert. Eine sehr dürftige Aussage der Bundeswehr und deren Organisationsteam. Mangelhaftes Konzept in Planung und Ausführung beschreibt die Situation besser. Die Information der Besucher über anstehende Flugvorführungen durch Lautsprecherdurchsagen ebenfalls sehr dürftig. Diesen Bereich wurde dem lokalen Radiosender mit einer mehrfachen Wiederholung an Spielen wie *Stadt, Land, Fluss* überlassen. Hat denn die Bundeswehr nichts mehr selbst über sich zu berichten?

C-160 Transall in Sonderbemalung *Gamsbock* - LTG 61 Penzing
Standort Schließung zum Jahresende 2017

Manching und Neuburg waren besser organisiert

Fazit: Wer das Konzept für eine erwartete Besuchermenge von 40.000 als gut befunden und entsprechend absegnet hat, sollte auch für die Planung einer Familien- oder Hochzeitsfeier nicht herangezogen werden. Pfingstferien in Bayern sind nun mal kein schlecht planbares Vorkommnis. Und wenn statt erwarteten 40.000 nun auf Grund des sommerlichen Wetters nun doch fast 50.000 Besucher kommen, muss ein *Plan B* griffbereit vorliegen. Auch in der Auswahl der externen Anbieter sollte deren Leistungsfähigkeit zuvor geprüft werden.

Das ein *Tag der Bundeswehr* zu einem Erlebnistag wird, zeigten die Standorte Manching und Neuburg die beiden Jahre zuvor. Das Fotografen die Zeit nach Programmende bei sich lichtenden Zuschauermengen für eine spezielle Foto- und Informationsrunde des Geländes nutzen, war bei allen bisherigen Veranstaltungen der Bundeswehr bislang kein Problem oder Ärgernis. Von einem externen Sicherheitsdienst, ohne Rücksicht der Belange einer Handvoll von Fotografen des Platzes verwiesen zu werden, hinterlässt einen bitteren Nachgang einer in den erwähnten Kritikpunkten nicht optimalen Veranstaltung am Standort Penzing.

Telefonat Oberstabsfeldwebel Uwe Lenke 05.07.17

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Gedächtnisprotokoll): Auf den 10.06.17 wurde mit einem Vorlauf von über einem Jahr hingearbeitet. Dabei wurde großartige Arbeit des Organisationsteam geleistet. Diese Arbeiten wurden neben den eigentlichen Aufgaben des Verbandes erfüllt. Das Konzept der Versorgung der Besucher musste komplett in die Hände eines externen Anbieters gelegt werden. Nachdem Probleme an den Getränkeausschänken, verbunden mit langen Wartezeiten für die Besucher erkannt wurden, habe man als Bundeswehr umgehend reagiert und diesen Engpass durch eine kostenlose Vergabe von Getränkeflaschen aus dem internen Fundus aufgefangen. Somit wurde ein Warenwert von 5.000 Euro zügig und kostenlos an die Besucher verteilt.

Die Anzahl an Toiletten war ausreichend. Die Schaffung von Schattenplätzen war nicht für den Veranstaltungstag, wie generell für eine solche Veranstaltung, von Belang und entsprechend vorgesehen. Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen fordern heutzutage für eine Einlasskontrolle. Über resultierende Wartezeiten wurde rechtzeitig zuvor informiert. Vertreter der Medien hatten die Möglichkeit einer Akkreditierung und einer Begleitung vor Ort seitens des Bundeswehrbereiches *Presse- und Öffentlichkeitsarbeit* während des gesamten Veranstaltungstages. Dies wurde durch verschiedene Medien auch gerne in Anspruch genommen.

Zusätzliche Pressearbeit wurde durch das Abhalten eines sogenannten *Spotter-Tages* am Donnerstag vor der Veranstaltung geleistet. Rückmeldungen seitens der Besucher und Gäste bezüglich der Veranstaltung alle positiv und vollen Lobes. Der veröffentlichte Bericht werde nicht der erbrachten Leistung der Soldaten und des Verbandes an diesem Veranstaltungstag gerecht. Die Ausführung bzw. Anmerkung im Bericht bezüglich *erhebliche Mängel im Gesamtkonzept* stimmt nicht und wird deutlich widersprochen.

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