Freitag, 20.10.2017 14:11 Uhr

Mikael Carlson – Fliegende Kisten

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt München (D), 01.03.2017, 00:10 Uhr
Presse-Ressort von: Andi Schmidt Bericht 5614x gelesen
Mikael Carlson mit Bleriot XI - Hahnweide 2016
Mikael Carlson mit Bleriot XI - Hahnweide 2016  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

München (D) [ENA] Vier goldene Streifen zieren die Pilotenuniform von Mikael Carlson. Sein Arbeitsplatz ist das Cockpit einer Boeing 737. Seit vielen Jahren ist er als Linienpilot für eine große skandinavische Fluggesellschaft tätig. Doch für ein paar Wochen im Jahr zwängt er sich hinter das Steuer seiner Oldies.

Mikael Carlson, Geburtsjahr 1959, ist seit seiner frühen Kindheit von der Fliegerei begeistert. Anfänglich in dem Bau von Flugzeugmodellen entwickelt sich diese Leidenschaft, gekrönt durch zahlreiche Auszeichnungen, Medaillen und Preise bei Meisterschaften. Noch heute sind etliche seiner Flugzeugmodelle im schwedischen Luftfahrt-Museum ausgestellt. In der Folge startete er mehrere Projekte in der Rekonstruktion und Aufbau alter Flugzeugtypen in der Größe 1:1. Ziel dieser Projekte war es stets, diese Nachbauten jeweils auch in die Luft zu bringen.

Bleriot XI im Hangar: Oldtimer-Treffen-Hahnweide 2016
317 kg Leergewicht - ca. 75 km/h Reisegeschwindigkeit
7-Zylinder-Gnome-Omega-Rotations-Motor mit 50 PS
Geschwindigkeit u. Flughöhe werden durch Zündung Ein/Aus in Folge korrigiert und gehalten
Kurvenflug durch Gewichtsverlagerung u. Veränderung des Seiten-/Querruder per Seilzug
Nach einigen Runden erfolgt die sichere Landung begleitet vom tosenden Applaus der Zuschauer

Nachbau einer *Tummelisa* und *Bleriot XI*

Projekt Nummer-1 war der Nachbau einer schwedischen *Tummelisa* die ursprünglich in 28 Einheiten erstellt wurde und ihren fliegerischen Einsatz in den Jahren 1919 bis 1934 hatte. Für den Nachbau musste ein gefällter Baum aus dem elterlichen Anwesen herhalten, Original Zeichnungen der Konstruktion studiert und zahlreiche Besuche des Air-Force-Museum absolviert werden. Ein Original-Motor konnte für die aufwendige Restaurierung aufgetrieben werden. Fehlende Einzelteile wurden von Mikael per Hand nacherstellt. Hunderte von Arbeitsstunden flossen in das Projekt. Endgültig war es ein Zeitraum von 1982 bis 1987.

Weitläufig bekannt wurde Mikael Carlson durch sein folgendes Projekt: Bleriot XI. Den Erstflug dieser Konstruktion absolvierte Louis Bleriot 1909 als direkte Antwort als erster erfolgreicher europäischer Fluggerätebauer in Konkurrenz zu den amerikanischen Brüdern Wright. Am 25. Juli 1909 überquerte die *Bleriot* den Ärmelkanal. Mikael Carlson besitzt und fliegt zwei dieser *Maschinchen*. Die erste Maschine entdeckte Mikael Ende der 80iger Jahre in einer Scheune in erbärmlichen aber vollständigen Zustand. Das Fluggerät wurde daraufhin von Mikael komplett restauriert und in einen nun flugfähigen Zustand gebracht.

Lebende Legende: Pilot Mikael Carlson
Mikael und seine Crew: Ehefrau Gunilla ist eine erfahrene *Wing-Walkerin* und Pilotin
Fokker Dr.1 im Hangar: Oldtimer-Treffen-Hahnweide 2016
9-Zylinder- Le Rhone-Rotations-Motor mit 110 PS
Konzentriert beobachtet Mikael die Warmlauf-Phase des Motors
Geschwindigkeit ca. 160 km/h - Leergewicht 474 kg

Flug über den Ärmelkanal und Nachbau *Fokker Dr.1*

1991 war es soweit und das *Neue zweite Leben* der *Bleriot XI* konnte beginnen. Mikael präsentierte sein Fluggerät bei zahlreichen Air-Shows und stand Pate bei mehreren Filmaufnahmen. Höhepunkt dabei ist seine Überquerung des Ärmelkanals im Jahre 1999, exakt 90 Jahre nach Louis Bleriot. Eine nun zweite *Bleriot XI* brachte Mikael im Herbst 2004 zu neuer *Flugtauglichkeit* und absolvierte auch mit dieser Maschine bereits Wochen später den Flug über den Ärmelkanal. Anlass war der Jahrestag zu *100-Jahre-Bleriot-Erstflug*.

Ein weiteres ehrgeiziges Projekt folgt in der Rekonstruktion und Nachbau einer *Fokker Dr.1 Dreidecker* in Erinnerung an Erzählungen und dem Mythos um den *Roten Baron*, Manfred von Richthofen. Drei-Ein-Halb-Jahre wurden investiert; Erstflug des Nachbaus am 2.November 2008. Statt der auffälligen roten Lackierung wählt Mikael eine dezentere Tarnbemalung. Während seine *Bleriot´s* noch Fluggeräte waren, ist dieser *Drei-Decker* ein leistungsstarkes Flugzeug des 1.Weltkrieges. Der 9-Zylinder-Rotations-Motor leistet 110 Pferdestärken und verleiht dem Flugzeug unglaublich agiles, wendiges Verhalten und entsprechende abgeleitete Flugmanöver. Engste Radien und Loopings können mit dieser Fokker geflogen werden.

Extreme Wendigkeit im Kurvenflug u. kleinste Radien im Looping
Enormer Auftrieb durch drei übereinander montierten Tragflächen
Übergang in den Sturzflug und maximale Geschwindigkeit
Bewaffnung im 1.Weltkrieg: Zwei starre, synchronisierte MG 08/15, durch den Propellerkreis feuernd
Rumpfgerüst bestehend aus Stahlrohr u. einer mehrschichtigen Holzverkleidung, Tragflächen mit Leinenbespannung
Keine Radbremse - Ausrollen nach der Landung und *Einfangen* durch Helfer

Mikael Carlson: Pionier der modernen Zeit

Eine persönliche Begegnung mit Mikael Carlson überrascht. Freundlich, ruhig und leise ist seine Art. Keiner, der sich um jeden Preis in den Mittelpunkt stellen will. Und dabei riskiert er mit jeden Flug seiner filigranen *Bleriot XI* sehr viel. Aber dies sind seine feste Einstellung und der persönliche Respekt in den Leistungen der Konstrukteure und Piloten vor 100 Jahren in die Fluggeräte und Flugzeuge. Persönlich sieht er sich nur als Nachfolger und Präsentator dieser unglaublich spannenden Errungenschaften der Luftfahrt. Danke dafür – Mikael Carlson!

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