Dienstag, 21.11.2017 05:31 Uhr

CH-53 Nachfolge

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt München (D), 01.09.2017, 06:45 Uhr
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CH-53 Hubschrauber der Bundeswehr
CH-53 Hubschrauber der Bundeswehr  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

München (D) [ENA] Die Entscheidung fällt in 2018. Die Bundeswehr sucht ein Nachfolgemodell für den in die Jahre gekommenen Transporthubschrauber CH-53. Ein *Modell von der Stange* soll es sein. Technisch topaktuell aber ohne besondere Sonderausstattung. Die deutsche Industrie geht leer aus.

Seit etwas über 40 Jahre steht der große Transporthubschrauber des amerikanischen Herstellers *Sikorsky* im Dienste der Bundeswehr. Den Erstflug absolvierte der Prototyp am 14. Oktober 1964 in den USA als Auftragsarbeit und Entwicklung für das United States Marine Corps. 1972 erfolgte die offizielle Übergabe des Modelltyps *CH-53G* an das Heer als Teilbestand der Bundeswehr. Durch verschiedene interne Umstrukturierungen innerhalb der Bundeswehr steht der Hubschrauber nun in der Verantwortung und im Einsatz der Luftwaffe.

CH-53

Ständige Anpassung und Modernisierung

Insgesamt wurden 112 Hubschrauber für die Bundeswehr beschafft und per Lizenz in Deutschland gebaut. Während des aktiven Einsatzes innerhalb der Truppe folgten eine Menge von Anpassungen und Modernisierungen am *CH-53*. Angefangen vom Waffensystem in Bezug auf Selbstschutz, Steigerung der Reichweite durch Verwendung von zusätzlichen Innen- und Außentanks bis zu Weiterentwicklungen im Bereich der Navigation und Kommunikation fanden über die Jahre ständig Anpassungen statt.

Nun ist es aber an der Zeit einen äquivalenten Nachfolger für die *CH-53* zu bestimmen. In den kommenden Jahren sieht die Bundeswehr durch anstehende nationale und internationale Anforderungen und Missionen weiterhin Bedarf für einen großen Transporthubschrauber. Weder ein einzelner deutscher oder gar europäischer Hersteller wie *Airbus Helicopters* kann diesen Bedarf durch ein Eigenprodukt abdecken. In den nächsten Jahren wird der Betrieb der aktuellen *CH-53 Modellreihe* immer unwirtschaftlicher und der Kostenfaktor treibt einen baldigen Austausch der *CH-53* voran.

Nur zwei westliche Anbieter in diesem Sektor

Wartung alleine wäre nicht das einzige Problem. Schwieriger gestaltet sich die rentable Ersatzteilbeschaffung für die Zukunft. Die fortschreitende Alterung der Hubschrauber-Zelle und verschiedener Komponenten zeigen einen Trend in Richtung des Betriebes eines *Oldtimers*. Eine Stunde an Betriebszeit darf nicht den Faktor *Zehn, fünfzehn oder gar zwanzig* für Wartung und Instandhaltung erreichen für eine ständige Einsatzfähigkeit der Luftfahrzeuge der Bundeswehr. Für ein eigenes europäisches Nachfolger-Modell fehlt schlicht das passende Produkt und *Know-how*; ein jetzt startendes Projekt wäre ein von Misserfolg gezeichnetes Kind ähnlich dem Dauerthema *Airbus A400M* im Bereich militärischer Transport-Flugzeugbau.

Als Anbieter für westliche Großhubschrauber gibt es nur zwei Hersteller: Sikorsky und Boeing. Seit Jahrzehnten bedienen beide Hersteller mit ausgereiften Produkten diesen Markt. Das *Bundesministerium der Verteidigung* mit seinem *Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr* sieht seinen Bedarf im Austausch der *CH-53* ganz klar bei einem der beiden Anbieter. Der Nachfolger soll ein Produkt *von der Stange* sein. Technisch auf den Stand der Zeit aber ohne *besonderen Schnickschnack* um den Kostenfaktor besser planen zu können.

CH-47F Chinook

Absage an die deutsche Industrie

Die Lösung hierbei sieht das Bundesamt im sogenannten *Systempreis*, d.h. Produkt, Wartung, Instandhaltung und Ausbildung der Piloten als Komplettpaket. Ein fest kalkulierbarer und benannter Preis für das Nachfolgeprodukt des *CH-53*. Deutsche und europäische Firmen wie zum Beispiel *Airbus Helicopters* hätten gerne eine staatlich geführte Partnerschaft am Austauschprojekt gehabt; mussten diesbezüglich bereits eine herbe Absage einstecken. Wenn Interesse am Wartungsvertrag des neuen Hubschraubers bestehe, dann aber durch Kontaktaufnahme der Firmen beim amerikanischen Hersteller in Eigenregie.

Ob sich der amerikanische Hersteller, egal ob *Sikorsky* oder *Boeing* sich dabei *in die Karten schauen lässt* gilt als ziemlich unwahrscheinlich. Zuviel kostbares *Know-how* könnte preisgegeben werden. *Sikorsky* arbeitet aktuell an einer neuen *Schwerlast-Transporthubschrauber* Variante mit Namen *CH-53K King Stallion*, einer völligen Neukonstruktion die sich seit dem 27. Oktober 2015 in der Flugerprobung befindet. Der Hersteller *Boeing* kann sein Modell *CH-47F Chinook*, ausgereift und bewährt zur sofortigen Lieferung bereitstellen. Wir werden sehen wer das Rennen macht. Der große europäische Luftfahrzeugbauer kann somit ungetrübt seine Energie in bereits bestehende eigene Projekte intensivieren.

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