Montag, 21.01.2019 03:20 Uhr

Das Bauhaus wird 100! NRW feiert mit!

Verantwortlicher Autor: Landschaftsverband Rheinland Köln, 12.01.2019, 15:28 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 1980x gelesen

Köln [ENA] Das Bauhaus wird 100! NRW feiert mit! „100 jahre bauhaus im westen“ erinnert an 100 Jahre Gestaltung und Demokratie. Am 16. Januar 2019, eröffnet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Berliner Akademie der Künste die Feierlichkeiten zum einhundertjährigen Jubiläum des Bauhauses – ein bundesweites Kulturereignis mit internationaler Strahlkraft. Für Nordrhein-Westfalen hat das Ministerium für Kultur

und Wissenschaft gemeinsam mit den Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) die Projektkoordination für „100 jahre bauhaus im westen“ übernommen. Schirmherrin ist Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. NRW ist Bauhaus-Land: Über 40 Ausstellungen und Veranstaltungen zeigen in Nordrhein-Westfalen im Jubiläumsjahr, wie die Bauhaus-Idee auch NRW prägte und welche vielfältigen und lebendigen Spuren und Zeugnisse des Bauhauses bis heute in Nordrhein-Westfalen zu finden sind.

Bis zum Frühjahr 2020 wird „100 jahre bauhaus im westen“ an vielen Orten sichtbar: In der Seidenstadt Krefeld realisierte Ludwig Mies van der Rohe, letzter Direktor des Bauhauses, drei seiner neun Bauten in Europa: Haus Lange und Haus Esters sowie das Verseidag-Gebäude von Mies stehen ab März 2019 im Mittelpunkt zahlreicher Aktivitäten. Einen besonderen Leuchtturm stellt das Projekt „map 2019“ dar, in dessen Rahmen der Verein „Projekt MIK – Mies in Krefeld e.V.“

in Kooperation mit der Stadt Krefeld eine begehbare Skulptur des zeitgenössischen Künstlers Thomas Schütte zeigt. Filme, Zeitdokumente und Führungen erzählen Interessierten von der Geschichte des Bauhauses in Krefeld und von 25 Bauhäuslern, die in Krefeld lebten, lernten und arbeiteten. Die Ausstellung "Bauhaus und Amerika“ über Experimente in Licht und Bewegung im LWL-Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster (bis 10.2.19) zeigt die Auswirkungen der Bauhaus-Lehre auf die bildende und darstellende Kunst und die Wechselbeziehung zwischen dem neuen und alten Kontinent.

NRW schaut nicht nur auf das Bauhaus, sondern auch auf wichtige Impulse aus Rheinland und aus Westfalen: Karl-Ernst Osthaus und Henry van der Velde in Hagen, Peter Behrens in Düsseldorf oder Walter Gropius auf der Kölner Werkbundausstellung bahnten Idee und Praxis des Bauhauses den Weg. In NRW befinden sich bedeutende Sammlungen von Anni Albers, Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy, den großen Stars der Bauhaus-Avantgarde - ebenso wie ein eigenes Bauhaus-Museum in Steinfurt-Borghorst, das dem Künstler und Bauhaus-Schüler Heinrich Neuy gewidmet ist.

Zahlreiche Bauten in Nordrhein-Westfalen sind herausragende Zeugnisse des Neuen Bauens im Geist des Bauhauses: das UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein in Essen der Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer, die Weiße Stadt in Köln von Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod, die Tonhalle Düsseldorf von Wilhelm Kreis oder die Villa Plange in Soest von Bruno Paul. „100 jahre bauhaus im westen“ erinnert nicht nur an die weltberühmte Schule für Architektur und Design, sondern auch an die Gründung der ersten deutschen Demokratie: Eine Wanderausstellung präsentiert die Weimarer Republik als eine Republik der Gegensätze, auch und vor allem im Westen.

Die Ausstellung wird am 23. Januar im Landtag NRW eröffnet und anschließend an sieben weiteren Orten in Nordrhein-Westfalen zu sehen sein. Charakteristisch für den Beitrag aus NRW ist die Verbindung von kultureller und politischer Moderne, war doch das Bauhaus selbst als Reformschule mit revolutionären Ideen für die Gestaltung des Alltags der Vielen eine auch politisch höchst umstrittene Institution. NRW wird zudem das Thema Bauhaus mit der hier bedeutsamen Industriekultur verbinden. Der geht es aber nicht nur um sachliche Bauten, effiziente Maschinen, gebrauchstüchtige Formen und markgängiges Design.

Es steht zugleich die generelle Frage an, wie wir in einer demokratisch verfassten Industriegesellschaft leben wollen und gemeinsam Zukunft gestalten. „Die Welt neu denken“ ist das Motto des Bauhaus-Jubiläums, dessen Aktualität auch in den Programmen an Rhein und Ruhr aufscheint. Die Bauhaus-Idee darf neu diskutiert werden. Auswahl aktueller Ausstellungen und Projekte - Peter Behrens – Kunst und Technik, Dauerausstellung im LVR-Industriemuseum Peter-Behrens-Bau Oberhausen - Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung, bis 10. März 2019 - LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster - Oskar Schlemmer: 100 Jahre Bauhaus, bis 17. Februar 2019, Lehmbruck Museum Duisburg

- Ihrer Zeit Voraus! Heinrich Campendonk – Heinrich Nauen – Johan Thorn Rrikker, bis 10. März 2019, Clemens Sels Museum Neuss - Bauhaus und die Fotografie, bis 10. März 2019, NRW-Forum Düsseldorf - Kino der Moderne: Film in der Weimarer Republik, bis 17. März 2019, Bundeskunsthalle Bonn Weitere Infos unter www.bauhaus100-im-westen.de Hintergrund Für Nordrhein-Westfalen hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft gemeinsam mit den Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) die Projektkoordination für „100 jahre bauhaus im westen“ übernommen.

Schirmherrin des Projekts ist Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum wird auf Bundesebene getragen vom Bauhaus Verbund 2019: Im Verbund arbeiten die drei sammlungsführenden Bauhaus-Institutionen, das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung Berlin, die Stiftung Bauhaus Dessau und die Klassik Stiftung Weimar, der Bund, vertreten durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und die Kulturstiftung des Bundes (KSB) sowie elf Bundesländer in enger Abstimmung zusammen.

Stimmen zum Projekt Isabel Pfeiffer-Poensgen, NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft und Schirmherrin des Projekts: „Das Projekt im Rahmen des bundesweit gefeierten Bauhaus-Jubiläums verdeutlicht, wie sehr das Bauhaus neben Dessau, Weimar und Berlin auch Nordrhein-Westfalen geprägt hat. Das Symposion zum Auftakt sowie die landesweit rund 40 Ausstellungen und Veranstaltungen zeichnen das facettenreiche Bild eines Aufbruchs, der nicht nur die Kunst, sondern eine ganze Gesellschaft beeinflusste und dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind. Als Schirmherrin lade ich Sie herzlich dazu ein, das Bauhaus und sein Erbe in Nordrhein-Westfalen neu zu entdecken."

Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland: „Bauhaus: Das war eine gestalterische und künstlerische Revolution – Kunst, Architektur, Handwerk und Technik sollten zu einer idealen Verbindung gebracht werden. Bestimmend war die Idee, eine neue Welt zu gestalten, Industrie und Kunst für eine spürbare Verbesserung der Lebens- und Arbeitswelt der Menschen zu nutzen. Die Verwandlung des Alltags durch den Einsatz neuer Materialien, neuer Verfahren, neuer Techniken – zuvorderst eine Aufgabe der Industrie! Die Landschaftsverbände machen in eindrucksvoller Weise sichtbar, dass die Industriegeschichte in NRW ganz maßgeblich von diesen Bauhausideen geprägt wurde.“

Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe: „Weimar war eine Zeit der vielen Anfänge. Die Weimarer Republik brachte zum Beispiel endlich das Wahlrecht für Frauen – und damit ganz neue Fragen zur Emanzipation. Weimar war auch eine Zeit der harten Gegensätze. Politische Aufbrüche und soziale Fortschritte gingen einher mit sozialen Konflikten und extremer Gewalt. Bauhaus, das machen unsere Ausstellungen dazu sichtbar, war nicht ohne die Weimarer Republik möglich. Aber auch umgekehrt:

Die neue Demokratie erhielt wichtige Impulse vom neuen Denken in Design und Architektur. Der soziale Wohnungsbau, neue Bildungskonzepte oder neue Arbeitswelten waren beflügelt von der Idee Bauhaus. Bauhaus ist nicht bloß Geschichte, sondern die Geschichte einer Idee, die wir ‚im Westen‘ mit Besucherinnen und Besuchern diskutieren möchten: Wir wollen das Bauhaus mit der Bevölkerung zusammenbringen.“

Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und Landschaftliche Kulturpflege und Mitglied im Kuratorium „Bauhaus im Westen – das ist Walter Gropius, der schon 1911 in Hagen der Arbeit Paläste bauen wollte. Der mit Karl Ernst Osthaus befreundete Gropius stellte dort die Ausstellung ‚Vorbildliche Industriebauten‘ vor: die Geburtsstunde der Industriekultur. Heute finden wir in NRW beeindruckende Zeugnisse der Backstein-Industriearchitektur, einer „rußigen Variante der Bauhaus-Rationalität“, aber mit der Verseidag in Krefeld, Mies van der Rohes einziger realisierter Industriebau, auch einen genuin weißen Funktionsbau – Bauhaus pur.“

Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin und Mitglied im Kuratorium: „Das Besondere an der Bauhaus-Lehre ist, dass sie auch für die Kunst einen experimentellen Ansatz und Grenzüberschreitungen förderte. Mit diesem innovativen Anliegen, die strengen Gattungsgrenzen zwischen bildender, darstellender und angewandter Kunst aufzulösen, prägte das Staatliche Bauhaus zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der Moderne. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster überschreitet mit der Ausstellung ‚Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung‘ ebenfalls Grenzen:

Bewusst richtet es den Blick auf die wechselseitigen Beziehungen der vielfach zur Emigration nach Amerika gezwungenen Bauhäusler und Bauhäuslerinnen zu amerikanischen Kunstschaffenden und konzentriert sich dabei auf das bisher wenig beachtete Feld von Licht- und Bewegungsexperimenten.“ Dr. Hildegard Kaluza, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und Mitglied im Kuratorium

„100 jahre bauhaus im westen“ widmet sich nicht nur den Ikonen der Architektur und des Designs. Unser Ansatz ist im Sinne von Walter Gropius Aufforderung „Die Welt neu denken“ die Suche nach neuen Quellen, ungewöhnlichen Kontexten und aktuellen Konsequenzen der Bauhausidee. In diese Fragestellung mit einbezogen ist ausdrücklich der historische und gesellschaftliche Kontext. Dies führt zu der Frage, welche Relevanz dem Bauhaus im Zusammenhang unseres Verständnisses von Moderne heute noch zukommt.

Das angebotene Programm ermöglicht es den interessierten Besucherinnen und Besuchern, hier eine eigene Antwort zu finden. Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW „Das Bauhaus hat die Entwicklung der Architektur in den vergangenen 100 Jahren entscheidend beeinflusst. Der Anspruch, sozial und zugleich innovativ zu planen und zu bauen, ist bis heute eine Haltung, die Architektinnen und Architekten motiviert.“

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.